Bundesligaabsteiger

Relegation Statistik

Fußballtor mit Tornetz in Nahaufnahme auf einem Bundesliga-Spielfeld bei Flutlicht

Seit 2009 gibt es die Relegation wieder — und die Bilanz ist eindeutig

Drei Siege in 17 Jahren — das ist die Bilanz der Zweitligisten.

Die Bundesliga-Relegation wurde zur Saison 2008/09 wiedereingeführt, nachdem sie von 1991 bis 2008 ausgesetzt war. Seitdem haben 17 Relegationsrunden stattgefunden, und die Statistik spricht eine klare Sprache: In 14 von 17 Fällen hat der Erstligist die Klasse gehalten. Nur dreimal gelang es einem Zweitligisten, den Aufstieg über die Relegation zu erzwingen. Für Wettende ist diese Statistik der Ausgangspunkt jeder Relegations-Analyse — aber wer nur die Gesamtbilanz kennt, verpasst die Nuancen, die den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Wette ausmachen.

Alle Relegationsduelle seit 2009 im Überblick

SaisonErstligist (Pl. 16)Zweitligist (Pl. 3)GesamtSieger
2008/09Energie Cottbus1. FC Nürnberg0:5Zweitligist
2009/101. FC NürnbergFC Augsburg3:0Erstligist
2010/11Borussia M’gladbachVfL Bochum2:1Erstligist
2011/12Hertha BSCFortuna Düsseldorf3:4Zweitligist
2012/13TSG Hoffenheim1. FC Kaiserslautern5:2Erstligist
2013/14Hamburger SVSpVgg Greuther Fürth1:1 (a)Erstligist
2014/15Hamburger SVKarlsruher SC3:2Erstligist
2015/16Eintracht Frankfurt1. FC Nürnberg2:1Erstligist
2016/17VfL WolfsburgEintracht Braunschweig2:0Erstligist
2017/18VfL WolfsburgHolstein Kiel4:1Erstligist
2018/19VfB Stuttgart1. FC Union Berlin2:2 (a)Zweitligist
2019/20Werder Bremen1. FC Heidenheim2:2 (a)Erstligist
2020/211. FC KölnHolstein Kiel5:2Erstligist
2021/22Hertha BSCHamburger SV2:1Erstligist
2022/23VfB StuttgartHamburger SV6:1Erstligist
2023/24VfL BochumFortuna Düsseldorf3:3 (E)Erstligist
2024/251. FC HeidenheimSV Elversberg4:3Erstligist

Hinweis: „(a)“ kennzeichnet Entscheidungen durch die damals gültige Auswärtstorregel, „(E)“ steht für Elfmeterschießen.

Die drei Ausnahmen — wenn der Zweitligist gewinnt

In 17 Relegationsrunden seit 2009 gelang es nur drei Zweitligisten, den Aufstieg zu erzwingen. Jeder dieser drei Fälle hat spezifische Merkmale, die erklären, warum die Regel gebrochen wurde — und was Wettende daraus lernen können.

Der erste Fall ist der klarste: 2008/09 traf Energie Cottbus als Erstligist auf den 1. FC Nürnberg als Zweitligisten. Die Nürnberger gewannen das Hinspiel auswärts mit 3:0 und das Rückspiel zu Hause mit 2:0 — ein Gesamtergebnis von 5:0, das bis heute der höchste Relegationssieg seit der Wiedereinführung ist. Der Grund für die Deutlichkeit: Cottbus war dem Erstliga-Niveau qualitativ nicht gewachsen und hatte sich nur durch eine Serie von Unentschieden auf Platz 16 gerettet. Nürnberg dagegen war ein Verein mit Erstliga-Erfahrung und einem Kader, der in der zweiten Liga deutlich überdimensioniert war. Die Kluft zwischen den beiden Teams war so groß, dass die Relegation im Grunde eine Formalie war.

Der zweite Fall ist dramatischer: 2011/12 spielte Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf. Das Hinspiel in Berlin endete 1:2 für Düsseldorf, das Rückspiel in Düsseldorf 2:2 — im Gesamtergebnis setzte sich Düsseldorf mit 4:3 durch und stieg auf. Entscheidend war hier die psychologische Dynamik: Hertha hatte eine desaströse Saison hinter sich, die Mannschaft war mental am Ende, und Düsseldorf kam mit dem Schwung einer starken Zweitliga-Saison und der Aufstiegseuphorie der eigenen Fans. Der Etat-Unterschied war zwar vorhanden, aber Düsseldorf kompensierte ihn durch Geschlossenheit und einen Trainer, der seine Mannschaft perfekt auf die Situation eingestellt hatte.

Der dritte Fall ist der bekannteste: 2018/19 traf der VfB Stuttgart auf den 1. FC Union Berlin. Das Hinspiel in Stuttgart endete 2:2, das Rückspiel im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei ebenfalls 0:0 — und durch die Auswärtstorregel stieg Union auf, weil die Köpenicker im Hinspiel auswärts zwei Tore geschossen hatten. Dieser Fall ist besonders lehrreich, weil er zeigt, wie eine Mannschaft mit klarer taktischer Identität und einem Trainer, der die Relegation als Chance und nicht als Bedrohung definierte, einen Erstligisten ausschalten kann, der in der Krise steckt. Union Berlin unter Urs Fischer — derselbe Fischer, der heute Mainz 05 trainiert — spielte mit einer Disziplin und einem Selbstvertrauen, das den kriselnden VfB überforderte.

Die Muster — was die Statistik verrät

Aus den 17 Relegationsrunden lassen sich drei zentrale Muster ableiten, die für Wett-Analysen relevant sind.

Erstens: Der Erstligist gewinnt in 82 Prozent der Fälle. Das ist eine so deutliche Dominanz, dass der Markt sie in den Quoten bereits einpreist — Relegations-Quoten für den Erstligisten liegen typischerweise bei 1.40 bis 1.70, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 59 bis 71 Prozent entspricht. Die tatsächliche historische Wahrscheinlichkeit von 82 Prozent liegt deutlich darüber, was bedeutet: Der Markt gibt dem Zweitligisten mehr Chancen, als die Statistik rechtfertigt. Das kann daran liegen, dass Buchmacher auf die Volatilität der K.-o.-Spiele reagieren und eine gewisse Sicherheitsmarge einbauen — oder daran, dass die Nachfrage der Wettenden nach Außenseiter-Quoten den Markt verzerrt.

Zweitens: Alle drei Aufstiege von Zweitligisten hatten gemeinsame Merkmale. In jedem Fall war der Etatunterschied zwischen den beiden Teams geringer als im Durchschnitt aller Relegationsduelle. Nürnberg, Düsseldorf und Union Berlin waren zum Zeitpunkt ihrer Relegation jeweils Vereine mit Erstliga-Vergangenheit und einem Kader, der über Zweitliga-Niveau lag. Die Kluft war also kleiner als üblich — und genau das ist der Indikator, den Wettende im Auge behalten sollten. Wenn ein Zweitligist mit hohem Etat und Erstliga-Erfahrung auf einen Erstligisten mit minimalem Vorsprung trifft, verschiebt sich das Wahrscheinlichkeitsverhältnis zugunsten des Aufsteigers.

Drittens: Der Zweitligist hat in seinen Heimspielen — also in den Rückspielen — seit 2009 kein einziges Mal regulär gewonnen. Das bedeutet nicht, dass der Heimvorteil irrelevant ist, aber es zeigt, dass der psychologische Druck des Rückspiels und die defensive Einstellung der Erstligisten es den Zweitligisten extrem schwer machen, das Ergebnis vor eigenem Publikum zu drehen. Die drei Aufstiege kamen nicht durch Rückspiel-Siege zustande, sondern durch Hinspiel-Ergebnisse, die den Grundstein legten, und Rückspiele, in denen der Zweitligist das Ergebnis hielt.

Torstatistik und Spielcharakteristik

Ein Blick auf die Torstatistik der 17 Relegationsrunden seit 2009 offenbart weitere Muster. In den 34 Einzelspielen (17 Hin- und 17 Rückspiele) fielen insgesamt rund 80 Tore, was einem Schnitt von circa 2,4 Toren pro Spiel entspricht — ein Wert, der unter dem Bundesliga-Durchschnitt liegt und den defensiven Charakter der Relegation bestätigt. Beide Teams spielen vorsichtiger als in der regulären Saison, was logisch ist: Ein Tor kann über eine ganze Existenz entscheiden, und das Risiko nach vorne wird entsprechend minimiert.

Die Hinspiele enden häufiger torarm als die Rückspiele. Das liegt daran, dass beide Mannschaften im Hinspiel vor allem darauf bedacht sind, kein Gegentor zu kassieren und eine gute Ausgangslage für das Rückspiel zu schaffen. Im Rückspiel dagegen, wenn das Ergebnis des Hinspiels feststeht und eine Mannschaft im Rückstand liegt, wird offensiver gespielt — was zu mehr Toren, aber auch zu mehr Fehlern führt. Für Wettende auf den Einzelspielmarkt bedeutet das: Das Hinspiel eignet sich eher für eine Under-Wette, das Rückspiel eher für eine Over-Wette, wobei der konkrete Kontext des jeweiligen Jahres natürlich berücksichtigt werden muss.

Relevanz für Wetten — wo liegt der Value?

Die Relegations-Statistik legt nahe, dass der Markt den Erstligisten tendenziell unterbewertet. Eine historische Erfolgsquote von 82 Prozent, kombiniert mit Quoten, die typischerweise 59 bis 71 Prozent implizieren, deutet auf einen systematischen Value-Vorteil bei Wetten auf den Klassenerhalt des Erstligisten hin. Aber Vorsicht: Die Stichprobe von 17 Spielen ist statistisch klein, und jede einzelne Relegation hat spezifische Faktoren, die die historische Durchschnittsbilanz in die eine oder andere Richtung verschieben können.

Der klügste Ansatz für Relegations-Wetten ist daher nicht, blind auf den Erstligisten zu setzen, sondern die spezifische Konstellation des jeweiligen Jahres zu analysieren: Wie groß ist die Etat-Kluft? Hat der Zweitligist Erstliga-Erfahrung? In welcher mentalen Verfassung befinden sich beide Teams? Hatte der Erstligist einen Trainerwechsel in der Rückrunde? Diese Faktoren verschieben die tatsächliche Wahrscheinlichkeit stärker als die historische Gesamtbilanz — und sie bestimmen, ob die angebotene Quote Value hat oder nicht.

Der HSV als Sonderfall

Kein Verein ist so eng mit der Relegation verbunden wie der Hamburger SV. Viermal musste der HSV in die Relegation — 2013/14 und 2014/15 als Erstligist, 2021/22 und 2022/23 als Zweitligist. Zweimal rettete sich Hamburg als Erstligist, zweimal scheiterte es als Zweitligist am Aufstieg. Die HSV-Geschichte illustriert einen Aspekt, der in der Gesamtstatistik untergeht: Der Verein, der in die Relegation muss, befindet sich in einer Krise. Die Relegation ist keine neutrale Spielsituation, sondern der Endpunkt einer gescheiterten Saison — und das belastet den Erstligisten stärker als den Zweitligisten, der im Aufstiegskampf Momentum aufgebaut hat.

Trotzdem: Der HSV scheiterte als Zweitligist, was die Grundthese der Statistik bestätigt. Selbst ein Verein mit der Tradition, dem Budget und der Erfahrung des HSV konnte die Relegation von der Zweitliga-Seite aus nicht gewinnen — ein Hinweis darauf, wie groß der strukturelle Nachteil des Zweitligisten tatsächlich ist. Die HSV-Relegation 2022/23 gegen Stuttgart war dabei besonders eindrücklich: Der VfB gewann das Gesamtduell mit 6:1 und zeigte, dass ein Erstligist, der trotz schlechter Saison immer noch über individuelle Qualität verfügt, den Schalter in der Relegation umlegen kann.

Die Rolle der Trainer

Ein Faktor, der in der statistischen Analyse oft unterschätzt wird, ist die Trainererfahrung in Relegationsspielen. Fischer bei Union 2019, Streich bei Freiburg als langjähriger Erstliga-Trainer, oder Baumgart bei Köln 2021 — Trainer, die Drucksituationen kennen und ihre Mannschaft darauf vorbereiten können, haben einen messbaren Vorteil. Umgekehrt sind Zweitliga-Trainer, die noch nie eine Relegation bestritten haben, oft mit der Intensität und dem medialen Druck überfordert. Wer auf die Relegation wetten will, sollte sich nicht nur die Kader, sondern auch die Trainer anschauen — ihre Erfahrung in Ausnahmesituationen kann über den Ausgang entscheiden.

Fazit — die Relegation ist ein Erstliga-Heimspiel

Die Statistik der Bundesliga-Relegation seit 2009 erzählt eine Geschichte der Erstliga-Dominanz, die nur von drei Ausnahmen unterbrochen wird. Für Wettende ist das eine nützliche Basis, aber kein Automatismus. Die historische Erfolgsquote von 82 Prozent für den Erstligisten liegt über dem, was die Quoten typischerweise implizieren — das deutet auf systematischen Value hin. Wer aber auf die Relegation wetten will, muss die spezifische Konstellation des jeweiligen Jahres analysieren: Die Kaderqualität, die Etat-Kluft, die mentale Verfassung und die taktische Identität beider Teams bestimmen, ob die Regel gilt — oder ob es Zeit für eine vierte Ausnahme ist.